PV-RATGEBER · STATIK · SCHNEE- UND WINDLAST

Trägt Ihr Dach die PV-Anlage? Die Antwort steht in drei Zahlen.

Schneelast, Windlast, Zusatzlast — mehr braucht die erste Einordnung nicht. Der Rechner unten liefert alle drei für Ihren Standort, mit offener Formel und dem Hinweis, wo der Mindestwert die Rechnung übernimmt. Danach sagen wir ehrlich, in welchen Fällen kein Rechner der Welt den Tragwerksplaner ersetzt.

NLastrechner Dach & PVSchneelast · Windlast · Zusatzlast

Wo steht das Gebäude?

Der Standort entscheidet über zwei Zahlen: die Schneelastzone nach DIN EN 1991-1-3 und die Windzone nach DIN EN 1991-1-4. Beide sind ortsscharf festgelegt — sie werden nicht geschätzt, sondern nachgeschlagen.

Schneelastzone
Windzone
m
03006009001200

Was diese Zahlen für Sie konkret heißen

Eine Lastzahl ist noch keine Entscheidung. Je nachdem, welches Dach vor Ihnen liegt, geht es anders weiter — wählen Sie Ihren Fall:

Ihre Zahl heißt

Ihre PV-Anlage bringt 13 bis 16 kg/m² auf ein Dach, das in Schneelastzone 2 ohnehin 85 kg/m² Schnee aushalten muss. Die Anlage ist damit rund ein Fünftel der Schneelast — leicht, aber nicht folgenlos, weil sie punktuell über Dachhaken in einzelne Sparren einleitet.

Nächster Schritt

Messen Sie im Dachboden Sparrenquerschnitt und Sparrenabstand und fotografieren Sie die Auflager. Mit diesen drei Angaben plus Schneelastzone kann ein Tragwerksplaner in kurzer Zeit sagen, ob Reserve da ist.

Was wir dabei machen

Wir klären Statik und den Trennungsabstand zum Blitzschutz vor der Montage — nicht danach. Das ist der Unterschied zwischen einer Unterkonstruktion, die einmal gebaut wird, und einer, die zweimal bezahlt wird.

Der Mindestwert, den fast alle Rechner übergehen

Die Schneelastzonen sind in DIN EN 1991-1-3 mit dem Nationalen Anhang geregelt, und jede Zone hat ihre eigene Höhenformel. Für Zone 2 lautet sie sk = 0,25 + 1,91 · ((A + 140) / 760)², wobei A die Geländehöhe über NN in Metern ist. Setzt man Leipzig mit 113 m ein, kommt 0,462 kN/m² heraus. Halle auf 87 m liefert 0,420, Delitzsch auf 94 m 0,431 kN/m². Alle drei Werte sind falsch, wenn man sie so verwendet.

Denn die Zone hat einen Mindestwert von 0,85 kN/m², und der gilt, bis die Formel ihn überholt — rechnerisch bei 286 m ü. NN. In ganz Mitteldeutschland liegt also nicht die Höhe der Rechnung zugrunde, sondern der Sockel: 0,85 kN/m², gleichbedeutend mit rund 87 kg auf jedem Quadratmeter Grundfläche. Erst ab 286 m ü. NN greift die Formel überhaupt. Dieselbe Logik gilt in Zone 1 mit 0,65 kN/m² bis rund 400 m und in Zone 3 mit 1,10 kN/m² bis rund 255 m; die Zonen mit dem Zusatz „a“ tragen denselben Term, multipliziert mit 1,25.

0,85 kN/m²
sk Leipzig, Halle, Delitzsch — Mindestwert Zone 2
0,68 kN/m²
Dachschneelast si bei 25° Neigung (μ₁ = 0,8)
286 m ü. NN
ab hier rechnet die Höhe in Zone 2 wieder mit
13–16 kg/m²
PV dachparallel — Modul plus Unterkonstruktion

Auf dem Dach wirkt nicht sk, sondern die Dachschneelast si = μ₁ · sk. Der Formbeiwert μ₁ liegt bis 30° Neigung bei 0,8 und fällt danach linear auf null bei 60°, weil steile Dächer den Schnee abrutschen lassen. Für Leipzig und ein normales Satteldach ergibt das 0,68 kN/m². Die PV-Anlage bringt mit 13 bis 16 kg/m² also rund ein Fünftel dessen zusätzlich auf, was das Dach im Winter ohnehin tragen muss. Das ist der Grund, warum die meisten Dachstühle eine dachparallele Anlage vertragen — und kein Grund, auf den Nachweis zu verzichten.

Wind: warum die Ecke das Problem ist, nicht die Fläche

Bei der Windlast ist die Zonenkarte der einfachere Teil: Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen jeweils vollständig in Windzone 2, ohne eine einzige Gemeinde-Ausnahme. Dort gilt vb,0 = 25,0 m/s und ein Basisgeschwindigkeitsdruck qb von 0,39 kN/m². Für Bauwerke bis 25 m Höhe im Binnenland lässt DIN EN 1991-1-4 das vereinfachte Verfahren zu — dann steht der Böengeschwindigkeitsdruck qp in einer Tabelle mit drei Höhenstufen: Zone 2 liefert 0,65 kN/m² bis 10 m, 0,80 bis 18 m und 0,90 kN/m² bis 25 m. Zum Vergleich: Zone 1 beginnt bei 0,50, Zone 4 an der Küste bei 0,95 kN/m².

Interessant wird es erst beim Sogbeiwert. Der Wind erzeugt auf dem Dach keinen gleichmäßigen Druck, sondern reißt an den Kanten ab und bildet Wirbel, die die Dachhaut anheben. DIN EN 1991-1-4 bildet das in vier Zonen ab, deren Größe aus e = min(b; 2h) folgt. Verschieben Sie unten die Gebäudemaße und sehen Sie zu, wie sich die Zonen verformen — und tippen Sie eine an, um ihren Beiwert und die Folge für die Modulbelegung zu sehen:

30 m
45 m
9,0 m
FFGHIAnströmrichtungb = 30 md = 45 me = min(b; 2h) = min(30; 18,0) = 18,0 m · Ecke F 4,5 × 1,8 m · Randtiefe 1,8 m · Zone H bis 9,0 m · Zone auf die Grafik tippen für den Beiwert
Zone F — die Ecke

Der stärkste Sog des ganzen Daches. An der Ecke reißt die Strömung ab und bildet ein Wirbelpaar, das die Dachhaut regelrecht anhebt. cpe,10 = −1,8.

Was das für die Modulbelegung heißt

Hier liegen keine Module. Weder dachparallel noch aufgeständert lohnt sich der Befestigungsaufwand — und ballastierte Systeme bräuchten in der Ecke ein Vielfaches an Gewicht, das die Statik meist nicht hergibt.

Zwei Dinge fallen an dieser Grafik auf. Erstens: Je flacher und breiter das Gebäude, desto größer der Anteil der günstigen Zone I — ein langes Hallendach ist deshalb je Kilowattpeak billiger zu belegen als ein kleines Dach, das fast nur aus Rand besteht. Zweitens: Die Eckzone ist absolut gesehen klein, aber sie diktiert die Auslegung des Befestigungssystems, weil dort mit cpe,10 = −1,8 rund das 2,6-Fache des Innenfelds angreift. Wer die Ecke belegt, zahlt für zwei Modulreihen die Ballastierung des halben Daches. Der Dachflächen-Rechner berücksichtigt diese Randstreifen bereits im Belegungsgrad.

Verfahrensfrei heißt nicht statikfrei

In Sachsen sind Solaranlagen auf Dächern nach § 61 Abs. 1 Nr. 3a SächsBO verfahrensfrei — ausgenommen Hochhäuser. Für verfahrensfreie Vorhaben entfällt nach § 66 Abs. 1 Satz 2 die Pflicht, einen Standsicherheitsnachweis einzureichen. Genau an dieser Stelle entsteht das teuerste Missverständnis der Branche: Weggefallen ist die formelle Nachweispflicht gegenüber der Bauaufsicht, nicht die materielle Standsicherheitspflicht. Die steht unverändert in § 12 in Verbindung mit § 59 Abs. 2 — und das Bauaufsichtsamt Dresden schreibt genau das in seinen Hinweisen.

Praktisch heißt das: Die Statik muss stimmen und sie muss dokumentiert sein. Sie wird nur nicht eingereicht und nicht geprüft. Wer sie weglässt, verlagert das Risiko vollständig auf den Bauherrn — im Schadensfall gibt es keine geprüfte Unterlage, hinter der man sich einordnen könnte. Eine normative Schwelle, ab welcher Zusatzlast ein Statiker eingeschaltet werden muss, existiert dabei nicht; die kursierende Faustzahl „25 kg/m² Reserve reichen in 90 Prozent der Fälle“ ist unbelegt und beantwortet die Frage auch nicht, weil es nicht auf die Einwirkung ankommt, sondern auf ihr Verhältnis zum Widerstand des konkreten Bauteils.

Wählen Sie unten Ihren Fall — die Einschätzung nennt jeweils den Punkt, der in der Praxis übersehen wird:

Ohne Tragwerksplaner nicht seriösTragwerksplaner faktisch unverzichtbar
Warum

Aufgeständerte Anlagen erzeugen sehr wohl zusätzliche Wind- und Schneelasten — sie stellen dem Wind eine Fläche entgegen und fangen Schnee vor den Modulreihen. Der Ballast folgt aus einer Auslegungssoftware des Herstellers auf Basis nicht öffentlicher Windkanalgutachten, stützenweise, nicht als kg/m²-Pauschale.

Der Punkt, der übersehen wird

Genau hier scheitern Rechner im Netz: Sie nennen eine feste Ballastzahl. Die gibt es nicht. Der Ballast in der Ecke unterscheidet sich um ein Vielfaches vom Ballast im Mittelfeld — und die Summe muss das Dach dann auch tragen.

Was der Tragwerksplaner von Ihnen sehen will

Die Aufnahme geht schnell, wenn die richtigen Angaben bereitliegen. Für ein Sparrendach sind das fünf Dinge — alle im Dachboden messbar oder in der Bauakte auffindbar:

  • Sparrenquerschnitt und Sparrenabstand — typisch 8/16 cm bei 70 bis 90 cm Abstand, mit dem Zollstock in fünf Minuten erfasst
  • Spannweite und Auflagersituation: Wo liegt der Sparren auf, gibt es eine Mittelpfette, ist der Dachstuhl ausgebaut?
  • Zustand des Holzes — Feuchteschäden am Auflager, Bohrlöcher, durchtrennte Sparren aus früheren Gauben- oder Fenstereinbauten
  • Schneelastzone und Geländehöhe des Standorts, gemeindescharf aus dem Zonenkartendienst des DIBt
  • Art und Alter der Dachdeckung — bei über 25 Jahre alten Ziegeln lohnt die Sanierung vor der Belegung, nicht danach

Bei Gewerbehallen verschiebt sich die Liste: Dort zählen Binderabstand, Trapezblechprofil samt Blechdicke, die Lage der Pfetten und die vorhandene Auslastung aus der ursprünglichen Bemessung. Hallen wurden häufig knapp bemessen, weil jedes Kilogramm Stahl Geld gekostet hat — die Reserve ist dort seltener großzügig als beim Wohnhaus. Wie wir gewerbliche PV planen und bauen, steht auf der Leistungsseite; die Dachaufnahme gehört bei uns zur Angebotserstellung und nicht zur Ausführung.

Was dieser Rechner kann — und was er nicht kann

Damit klar ist, worauf Sie sich stützen können und worauf nicht:

Belastbar
  • Die Einwirkungen: sk, si, qb und qp folgen exakt den Formeln und Tabellen aus DIN EN 1991-1-3 und -1-4 mit Nationalem Anhang.
  • Die Zonengeometrie: e = min(b; 2h) und die Aufteilung in F, G, H und I sind normgetreu gerechnet, nicht geschätzt.
  • Die Zonenzuordnung für Leipzig, Halle, Delitzsch, Nordsachsen und den Saalekreis (Schneelastzone 2) sowie für ganz Sachsen und Sachsen-Anhalt (Windzone 2).
  • Die Zusatzlast dachparalleler Anlagen mit 13 bis 16 kg/m² inklusive Unterkonstruktion.
Nur Richtwert oder gar nicht
  • Der Ballast ballastierter Flachdachsysteme — den gibt kein Hersteller pauschal je Quadratmeter an, er entsteht stützenweise aus der Auslegungssoftware.
  • Die Zonenzuordnung außerhalb der belegten Orte: Die Voreinstellung im Rechner ersetzt den gemeindescharfen Blick in den Zonenkartendienst des DIBt nicht.
  • Gebäude über 25 m Höhe: Dort ist das vereinfachte Windverfahren unzulässig, es gilt das Regelverfahren mit höhenabhängigem Geschwindigkeitsdruck.
  • Der eigentliche Nachweis: Ob das Tragwerk die Einwirkungen aufnimmt, entscheidet die Bemessung am Bauteil — dafür braucht es den Tragwerksplaner.

Ein letzter Punkt, der auf keiner Statikseite fehlen sollte, weil er regelmäßig zwei Baustellen erzeugt: Liegt auf dem Gebäude eine Blitzschutzanlage, gilt zu allen Modulen, Gestellen und Leitungen der Trennungsabstand nach DIN EN 62305-3. Wird er unterschritten, muss die Anlage in den Blitzschutz eingebunden werden — und das ändert die Unterkonstruktion. Wer beides erst nach der Montage klärt, baut die Unterkonstruktion zweimal. Wie der Trennungsabstand sauber gelöst wird, steht auf unserer Blitzschutzseite.

Häufige Fragen zur Statik von Photovoltaikanlagen

Wie viel wiegt eine Photovoltaikanlage pro Quadratmeter?

Ein Modul allein wiegt rund 10,4 bis 11,0 kg/m² in der Bauart Glas-Folie oder Glas-Glas mit 1,6 mm Scheibe, 12,0 bis 12,4 kg/m² bei Glas-Glas mit 2,0 mm. Dazu kommt die Unterkonstruktion auf dem Schrägdach mit 1,5 bis 2,9 kg/m². Zusammen liegen dachparallele Anlagen bei 13–16 kg/m², als konservativer Planungswert werden 20 bis 25 kg/m² angesetzt, also 0,20 bis 0,25 kN/m². Ballastierte Flachdachanlagen liegen in belegten Herstellerbeispielen bei 0,19 und 0,25 kN/m² inklusive Ballast; die Branchenspanne reicht von 12 bis 33 kg/m².

Braucht eine PV-Anlage einen Statiknachweis?

Materiell ja, formell in Sachsen nein. Solaranlagen auf Dächern sind nach § 61 Abs. 1 Nr. 3a SächsBO verfahrensfrei — ausgenommen Hochhäuser —, und für verfahrensfreie Vorhaben entfällt nach § 66 Abs. 1 Satz 2 die Pflicht, einen Standsicherheitsnachweis einzureichen. Die materielle Standsicherheitspflicht bleibt davon unberührt: Nach § 12 in Verbindung mit § 59 Abs. 2 SächsBO muss die bauliche Anlage standsicher sein, und die Verantwortung dafür trägt der Bauherr. Das Bauaufsichtsamt Dresden formuliert das ausdrücklich so. Die Statik muss also stimmen und dokumentiert sein — sie wird nur nicht eingereicht.

Ab wie viel kg/m² braucht man einen Statiker?

Diese Schwelle gibt es normativ nicht. Die kursierende Faustzahl, 25 kg/m² Reserve reichten in 90 Prozent der Fälle, ist unbelegt und hilft bei der Entscheidung nicht weiter. Maßgeblich ist nicht die Zusatzlast allein, sondern das Verhältnis von Einwirkung zu Widerstand am konkreten Bauteil. Faktisch unverzichtbar ist der Tragwerksplaner bei aufgeständerten Anlagen, bei jedem Bestandsdach ohne belastbare Unterlagen, bei den Gebäudeklassen 4 und 5, bei Sonderbauten, bei Gewerbehallen und bei Hochhäusern.

In welcher Schneelastzone liegt Leipzig?

Leipzig liegt in Schneelastzone 2, ebenso Halle, Delitzsch und der gesamte Landkreis Nordsachsen sowie der Saalekreis. Ausdrücklich gehören diese Orte nicht zum Norddeutschen Tiefland — die außergewöhnliche Schneelast mit dem Faktor 2,3 · sk gilt hier also nicht. Die Zonenformel lautet sk = 0,25 + 1,91 · ((A+140)/760)², mit A als Geländehöhe über NN. Für Leipzig auf 113 m ergibt sie 0,462 kN/m² — angesetzt wird trotzdem der Mindestwert von 0,85 kN/m².

Warum ändert sich die Schneelast bei mir nicht, wenn ich die Höhe ändere?

Weil in Mitteldeutschland der Mindestwert regiert. Die Zonenformel liefert für Zone 2 erst oberhalb von 286 m ü. NN einen Wert über 0,85 kN/m². Leipzig liegt auf 113 m, Halle auf 87 m, Delitzsch auf 94 m — alle drei weit darunter. Die Höheneingabe bleibt damit wirkungslos, und jeder Rechner, der hier den Formelwert ausgibt, rechnet die Schneelast systematisch zu klein. In Zone 1 gilt der Mindestwert 0,65 kN/m² bis rund 400 m, in Zone 3 der Wert 1,10 kN/m² bis rund 255 m.

Wie hoch ist die Windlast auf einer PV-Anlage?

Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen jeweils vollständig in Windzone 2, ohne eine einzige Gemeinde-Ausnahme. Dort gilt vb,0 = 25,0 m/s und ein Basisgeschwindigkeitsdruck qb von 0,39 kN/m². Im vereinfachten Verfahren für Bauwerke bis 25 m im Binnenland ergibt sich daraus ein Böengeschwindigkeitsdruck qp von 0,65 kN/m² bis 10 m Gebäudehöhe, 0,80 kN/m² bis 18 m und 0,90 kN/m² bis 25 m. Die eigentliche Last folgt daraus über den Sogbeiwert der Dachzone: In der Ecke wirkt mit cpe,10 = −1,8 mehr als das Doppelte des Innenfelds.

Was sind die Dachzonen F, G, H und I?

Es sind die Bereiche unterschiedlichen Windsogs nach DIN EN 1991-1-4, Tabelle 7.2. Ihre Größe folgt aus e = min(b; 2h), wobei b die Gebäudebreite quer zur Anströmung ist und h die Gebäudehöhe. Zone F ist die Ecke, e/4 breit und e/10 tief, mit cpe,10 = −1,8. Zone G ist der Randstreifen zwischen den Ecken, ebenfalls e/10 tief, mit −1,2. Zone H reicht bis e/2 mit −0,7, Zone I umfasst den Rest mit ±0,2. Der Sog in der Ecke liegt damit rund 2,6-fach, am Rand rund 1,7-fach über dem Innenfeld — deshalb bleiben Ecke und Rand bei jeder ernsthaften Belegungsplanung frei.

Erzeugt eine PV-Anlage zusätzliche Wind- und Schneelasten?

Das hängt an der Montageart, und der Unterschied ist der normative Kern der ganzen Frage. Dach- und wandparallele Anlagen erzeugen keine zusätzlichen Wind- und Schneelasten, sondern nur ihr Eigengewicht — sie liegen in der Strömung des Daches und ändern die Dachgeometrie praktisch nicht. Aufgeständerte Anlagen erzeugen sie sehr wohl: Sie stellen dem Wind eine Fläche entgegen und fangen Schnee vor den Modulreihen. Für diesen Fall ist der Nachweis nicht verhandelbar.

Wie viel Ballast braucht eine Flachdachanlage pro Quadratmeter?

Diese Zahl veröffentlichen die Hersteller bewusst nicht, und ein Rechner darf sie nicht behaupten. Der Ballast wird pro Stütze aus einer Auslegungssoftware ermittelt, die auf nicht öffentlichen Windkanalgutachten des jeweiligen Systems beruht — mit Eingaben zu Standort, Gebäudehöhe, Attika, Modulneigung und Zonenlage. Der Ballast in der Ecke unterscheidet sich dabei um ein Vielfaches vom Ballast im Mittelfeld. Was sich seriös sagen lässt: Belegte Herstellerbeispiele für die Gesamtlast liegen bei 0,19 und 0,25 kN/m² inklusive Ballast, ein 40 × 25 m großes Flachdach trägt bei 380–550 m² belegter Fläche also grob 5,7 bis 16,5 Tonnen.

Wer darf einen Standsicherheitsnachweis für eine PV-Anlage erstellen?

Für die Fälle, in denen der Nachweis bauaufsichtlich verlangt wird, regelt § 66 Abs. 2 SächsBO die Qualifikation: ein einschlägiger Hochschulabschluss, mindestens drei Jahre Tätigkeit in der Tragwerksplanung und die Eintragung in die Liste der Ingenieurkammer Sachsen. Bei verfahrensfreien Anlagen prüft niemand, wer gerechnet hat — die Verantwortung für die Standsicherheit bleibt aber beim Bauherrn. Wer den Nachweis von einer Person führen lässt, die diese Anforderungen nicht erfüllt, spart am falschen Ende: Im Schadensfall zählt, wer wofür einstehen kann.

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